Unsere Kirchen

Die Kirchengemeinde Rodewald versammelt sich zu ihren Gottesdiensten in zwei Kirchen: Der St. Aegidienkirche in der mittleren Bauernschaft und der St. Johanniskirche in der unteren Bauernschaft. Die Lichtenhorster Gemeinde kommt zum Gottesdienst in ihrer Kapelle zusammen. Alle drei Gotteshäuser seien hier vorgestellt:

Die St. Aegidien-Kirche

Sie wurde zwischen 1210 und 1240 an der Grenze zwischen der Mittleren und der Oberen Bauernschaft im Auftrag des Mindener Bischofs durch den Grafen von Wölpe errichtet. „Bauunternehmer“ des Dorfes und der Kirchen war wohl der 1221 erwähnte Laie „Cristianus de Rodelwolde“. Der ebenfalls in diesem Jahr genannte Priester „Johannes de Rodelwolde“ war wohl der faktische Bauherr sowohl für die einzigartige frühgotische Gestalt mit spätromanischen Elementen wie die Bildausstattung der Rodewalder Hauptkirche. St.Aegidien-Kirche in Rodewald (Nienburg/Weser)Zunächst wurde wohl der Dachstuhl aufgerichtet und dann das westliche Joch (der westliche Teil des Kirchenschiffes) gemauert. Dann brannte der Dachstuhl ab und machte eine großflächige Reparatur nötig. Dabei erhielt dann das östliche Joch (der östliche Teil des Kirchenschiffes) ein anderes Gewölbe (nämlich ein Kreuzrippengewölbe mit Busung und flachem Schlussstein) als das westliche (dort Kuppelgewölbe mit hängendem Schlussstein); der Chorraum hat ebenfalls ein Kreuzrippengewölbe – mit einem hängenden Schlussstein. Die Kirche ist – ohne den wohl erst um 1500 hinzugekommen Turm – 30 m lang und 13m breit (ohne Sakristei) – und gut 8 m hoch. Die Fenster waren ursprünglich so, wie sie noch auf der Nordseite im Altarraum von innen zu erkennen sind: mit schmalen Spitzbogenöffnungen. Die beiden Türen lagen im Westjoch: im Süden ursprünglich durch einen Mittelpfosten in zwei spitzbogige Öffnungen unterteilt, im Nordportal einflügelig.Die Kirche wurde ursprünglich wohl zwei Heiligen geweiht: Aegidius war ein vornehmer Athener, der im 8. Jahrhundert in Südfrankreich als Einsiedler lebte und dabei bei einer Jagd durch einen Pfeil verwundet wurde. Daraufhin wurde er von Karl Martell gebeten, in St. Gilles ein Kloster zu gründen. Er gehörte zu den 14 Nothelfern (er wurde angerufen zur Ablegung einer guten Beichte).

Katharina (Caterine) von Alexandrien war eine Königstochter aus Zypern, der Anfang des 4. Jahrhunderts im Traum das Jesuskind erschien und ihr einen Verlobungsring ansteckte. Der letzte dem Heidentum anhängende römische Kaiser Maxentius will sie zu seiner Geliebten machen und sie vom Christentum abbringen. Dazu schickt er ihr 50 berühmte Philosophen, die aber sie zum Christentum bekehrt. Auf einem mit Messern und Nägeln ausgerüsteten Rad soll sie zu Tode kommen, ein Blitz zerstört dieses, mit dem Schwert wird sie enthauptet.

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Die Malereien in der Kirche stammen – abgesehen von dem gut sichtbaren Bild des „kleinen“ Propheten Obadja auf der Südwand des Altarraums – aus der Bauzeit. Im Gewölbefeld über dem Altar ist der Bildrest eines thronenden Christus zu sehen, der auf einem Regenbogen sitzt, in der linken Hand die Bibel, die rechte Hand zum Segensgruß erhoben. Möglicherweise waren daneben die Figuren von Maria und Johannes dem Täufer und auf den Wandflächen des Altarraumes die Bilder der Evangelisten und Apostel. Der Bogen zwischen Altarraum und Schiff zeigt auf der Südseite unten die bereits beschriebene Katharina. Daneben sind Tiere abgebildet, die einmalig in Norddeutschland sind (von Süden beginnend): ein Löwe steht dabei für die Schöpfung, ein Hund für die Treue, ein Drache für den Teufel, ein Hirsch für die Taufe, ein Pferd für die Himmelfahrt und ein Greif (Mischwesen aus Adler und Löwe) für Christus. An der nördlichen Unterseite des Bogens sind die Reste eines Heiligen erkennbar, der aufgrund des noch sichtbaren Lilienstabes der heilige Aegidius sein muss. An der Nordseite des Spitzbogens vor dem Altarraum stand der Aegidius- Altar, an der Südseite der Katharina- Altar. Wenn man vor diesem Wandbild steht, sind links und rechts je ein Figurenpaar erkennbar. Die linke Person des rechten Paars könnte Katharina in einem blauen Mantel sein, die einem männlichen Heiligen mit einem Buch in der Hand gegenübersteht. Das linke Paar sind wahrscheinlich rechts Christus und links Maria mit Heiligenscheinen, in den Glasstücke oder Gold eingesetzt waren. Vielleicht ist dieses Bild erst um 1500 entstanden, als Maria stärker verehrt wurde. Der Spitzbogen zwischen den beiden Schiffsgewölben ist bemalt mit einer Dekoration von 22 Kreisen, von denen die Hälfte mit Halbfiguren gefüllt sind. Im Scheitel sind dabei Christus und Maria („Marie“) dargestellt, neben Christus vielleicht Jakob („Iacus“?) und auf der Nordseite König Salomo („Salemen“?) Weitere Bemalungen der Gewölbe und Chorwände, die es wohl gegeben hat, sind nicht mehr vorhanden. Die vorhandenen Ornamente wurden bei der Renovierung 1964 ergänzt. Für Altar und Taufstein aus dem Mittelalter gibt es keine Hinweise.

Das 16. Jahrhundert brachte mehrere Veränderungen für Rodewalds große Kirche mit sich. Der Kirchturm wird errichtet: auf dem heute noch vorhandenen sieben Meter hohen Erdgeschoss aus Naturstein schloss sich wohl ein mit Brettern verschalter Fachwerkaufbau an, der bei dem Großbrand 1821 Feuer fing und zusammen brach. Der Kirchenraum wird um das Turmerdgeschoss erweitert, wie man an dem noch heute sichtbaren Spitzbogen hinter der Orgel erkennen kann. (wird im 18. Jahrhundert wieder zurückgebaut). Eine Marienglocke wird gegossen. Die Sakristei wird angebaut. (alles um 1514) Die Fenster werden verbreitert. Die Eule, im Mittelalter Symbol für Christus, die Weisheit oder als dämonisches Tier angesehen, wird 1549 oberhalb des Turmportals in einer Nische im Mauerwerk angebracht. Durch die Reformation mit der neuen Bedeutung der Predigt wurden Sitzplätze benötigt. Sitzbänke und Emporen wurden errichtet.

Nach dem Brand 1821 dauerte es bis 1850, bis der Turm in der heutigen Gestalt errichtet war. Der achtseitige Helm des Daches wurde mit Kupfer gedeckt und zuletzt im Jahr 2000 erneuert. Die 1823 übermalte mittelalterliche Ausmalung wurde bei der Neugestaltung des Innenraums 1964 wieder freigelegt, die Emporen entfernt und neue Bänke – ohne Mittelgang – installiert.

Die St. Johannis-Kirche

Um 1180 stand wohl die erste Holzkirche am Standort der heutigen Johannis-Kirche in der Mitte der Unteren Bauernschaft, die noch durch weitere Holzkirchen abgelöst wurde, bis um 1330 der heutige Steinbau errichtet wurde. Der knapp 18m lange und 10m breite Ziegelbau hat dabei ein nahezu quadratisches Kirchenschiff und einen ebenfalls quadratischen Chorraum. Das durch einen niedrig ansetzenden Scheitel der Gewölbe gedrungen und wohnlich wirkende Kirchenschiff ist in zwei Joche mit busigem Gewölbe mit rechteckigen Kreuzrippen unterteilt. Auch der Chorraum hat eine busige Wölbung mit Kreuzrippen.
St.Johannis-Kirche in Rodewald (Nienburg/Weser)Aus der mittelalterlichen Inneneinrichtung ist die Altarplatte aus Sandstein mit fünf Weihekreuzen auf der Oberseite in der Sakristei erhalten. 1973 wurden mittelalterliche Gewölbemalereien freigelegt, die vor allem Heiligenlegenden enthalten. Aus der Entstehungszeit stammen folgende heute noch erkennbare bildnerische Darstellungen: die Erschaffung Adams aus einem Klumpen Lehm (vor dem südlichen Fenster des östlichen Jochs), eine liegende Figur auf einem Rost mit aufsteigenden Flammen, vielleicht die Marterung des heiligen Laurentius (im benachbarten Joch), Spuren des sich auf einen Baum stützenden heiligen Christophorus (in der westlichen Kappe des gleichen Jochs) und ein Bogenschütze, wahrscheinlich die Marterung des heiligen Sebastians (nördliche Kappe des westlichen Jochs). Weitere Figuren sind nicht zuzuordnen, die ornamentalen Zeichnungen stammen aus der Zeit um 1400, im westlichen Joch sind später? Sterne aufgemalt worden.
1687 wird eine neue Glocke angeschafft, Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der heutige Dachreiter mit der Wetterfahne (dort Jahreszahl 1752) errichtet. Um 1800 werden die Fenster verändert, der Innenraum renoviert, ein neuer Altar und eine neue Kanzel beschafft. 1973 werden Emporen und alte Bänke entfernt und das mittelalterliche Bildprogramm freigelegt. Im Jahre 2001 wurde das äußere Mauerwerk instand gesetzt und der Westgiebel mit seinen spitzbogigen Feldern neu aufgemauert.

Die Kapelle Lichtenhorst

Vor unserer ev.-luth. Kapelle gab es für die von 1916-22 Lichtenhorst kultivierenden russischen Kriegsgefangenen einen orthodoxen Kirchenraum in der Scheune hinter Klaus Heyer mit einem orthodoxen Priester und einem Feodor als Glöckner.

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Seit 1924 war Lichtenhorst selbständig und hatte eine Schule. Zunächst wurden dort erste Gottesdienste gefeiert, die von einem Harmonium begleitet wurden. Das Gebiet um die heutige Kapelle gehörte ab dieser Zeit der Kapellengemeinde. 1932 wurde die Kapelle, ein moderner Backsteinbau mit Dachreiter, eingeweiht. Aus Lichtenhorst stammten damals der Maurermeister August Rotermund und der Maler Heinrich Mohrmann, Tischler war W. Beermann aus Steimbke und die Zimmererarbeiten übernahm W. Rotermund aus Rethem. Taufe, Lesepult, Gestühl und Empore stammen noch aus der Gründungszeit. Damals hatte die Kapelle ein hinten überstehendes Dach; die Sakristei war klein, ein Bollerofen in ihr sorgte für die nötige Wärme. Das zunächst in die Kirche übernommene Harmonium aus der Schule wurde schnell durch die heute noch bestehende Orgel ersetzt, die zunächst über einen Blasebalg angetrieben werden musste. Die Lehrer haben die Orgel gespielt. In der Kapelle spielte aber auch der 1930 gegründete Posaunenchor, der sich zunächst reihum in Privathäusern traf. Über der Tür hing jahrzehntelang ein Bild „Jesus mit der Dornenkrone“, über dem Altar ein braunes Tuch mit dem Spruch „Kommt her zu mir alle, ich will euch erquicken“. Über der damals links platzierten Tafel mit den Liednummern hing der Spruch: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“.

kapelle_lichtenhorst_01Anfang der 50er Jahre wurde ein Anbau an die Kapelle gebaut, mit Gemeinderaum, größerer Sakristei und dem Torfschuppen. 1953 wurde ein neuer Turm mit dem Kran aufgesetzt, mit Kupfer verkleidet und eine neue Eingangstür eingesetzt.
Anfang der 70er Jahre wurden die Bänke und das Gewölbe neu gestrichen. Mitte der 70er Jahre wurde die Orgel auf der Empore von der Mittel- in eine Randlage versetzt, um dem Posaunenchor mehr Platz zu verschaffen. 1970 wurde das über dem Altar thronende Relief von Siegfried Steege eingeweiht. Zwölf Passions- und Ostergeschichten sind hier aus Eisen geschweißt, im Kreuzbereich vergoldet und in den vier Seitenflächen versilbert. Anfang der 80er Jahre wurde das Relief abgenommen, weil es zu rosten anfing; mit Sand wurde es gestrahlt.
In den 80er Jahren wurde mit viel Eigenarbeit (unter anderem von Heinrich Runge, Erwin und Siegmund Richter und Josef Parda) der Anbau des Gemeinderaums in der heutigen Form vollzogen und Pfingsten 1988 eingeweiht.
2001/2 wurde die Orgel von Michael Braun renoviert, ein Subbass und ein 8’ Prinzipal wurden eingesetzt. Im Jahr 2005 wurde die noch aus der Entstehungszeit stammende Notglocke durch eine neue Bronzeglocke ersetzt.
Im Herbst 2010 schließlich konnte die Kapelle durch die große Spendenbereitschaft der Lichtenhorster Gemeindeglieder und dank öffentlicher Mittel im Rahmen der durch die GLL Sulingen geförderte „Dorferneuerung“ komplett renoviert werden. Die Arbeiten für die Innenverschönerung werden im Frühjahr 2011 aufgenommen.
Man kann ohne Übertreibung sagen: Die Lichtenhorster Kapelle ist nun wieder das Schmückstück des Ortes und dessen natürliche Mitte.